Dogs from Nepal

Monkey Temple Kathmandu

Die Fotos aus Nepal sind gesichtet, bearbeitet und geordnet, und doch fühlt sich der Anblick seltsam surreal an. Seit gut einem Monat bin ich wieder in Deutschland und damit zurück in einer vollkommen anderen Welt – eine Welt, die die meine ist und meine bleiben wird. Aber es tut unglaublich gut, andere Lebensweisen kennenzulernen, über sich und das Leben hier nachzudenken.

Das sage ich ganz ohne Wehmut oder gar Verzweiflung, aber ich weiß – und wusste es natürlich auch zuvor – was ich habe und was ich schätzen darf. Und nach diesen bewegten Worten kann sie beginnen, meine Geschichte von Nepal und vom ersten Teil, dem entspanntesten Geschöpf weit und breit: Kukur, dem Hund.

Dass ich hier mal von Hunden schreiben würde, hätte ich selbst wohl nicht gedacht, aber diese Tiefenentspannung und Haltung hat mich schwer beeindruckt. Es klingt verrückt, aber wer es bei all diesem Trubel, sei es durch Autos, Mofas, Menschen oder sonstiges Chaos, schafft, so entspannt und mit einer Seelenruhe auf dem Boden liegen zu bleiben und das bunte Treiben ohne die kleinste Zuckung zu beobachten, verdient meinen höchsten Respekt. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, liegen nepalesische Hunde am liebsten zusammengerollt in der Sonne, mit geschlossenen Augen versteht sich – komplett im chill mode.

Am besten mit einem Buddy an der Seite – das macht wesentlich mehr Eindruck und Gesellschaft ist schließlich immer schön. Zwischendurch mopst man den Affen das Futter, lässt sich von Touristen fotografieren und genießt die warmen Sonnenstrahlen, bevor es am Abend wieder kalt und ungemütlich wird. Bei aller Begeisterung für Nepal will ich euch nämlich keine Märchen erzählen, sondern bei der Wahrheit bleiben, die wie immer auch weh tun kann.

Ein Großteil der Hunde lebt auf der Straße, sie streunern durch die Gegend, und suchen nach Essen. Wo Müll und Abfälle zu sehen sind, sind auch Hunde nicht weit. Unser europäisches Verhältnis zu Hunden muss hier also schnell abgelegt werden, denn in Nepal sind sie weder Kuscheltiere noch verwöhnt. Wenn sie nicht auf der Straße leben, werden sie als Wachhunde gehalten – daher habe ich dort auch so viele Schäferhunde gesehen, wie in Deutschland schon lange nicht mehr. Sie leben im Garten oder Zwinger, in das Haus dürfen sie nicht.

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund habe ich in Nepal als seltsam zwiespältig erlebt: Zum einen bewachen sie das Haus, werden vom Hausbesitzer geachtet und gelobt, beim Kukur Tihar sogar gefeiert und mit Blumen geschmückt, zum anderen wird auf der Straße kaum Notiz von ihnen genommen. Nie habe ich beobachtet, dass Straßenhunden Futter gegeben oder sie gestreichelt wurden. Nein, allzu oft brach es mir das Herz, offensichtlich kranke Tiere am Boden liegen zu sehen, denen niemand half und die nicht mehr lange zu leben hatten. Zugleich will ich mir darüber kein Urteil erlauben, die Menschen in Nepal haben oft weder selbst ein Dach über dem Kopf noch Essen für den eigenen Bauch.

Bei all diesen Gedanken bleibt mir nur zu sagen, dass mich – so seltsam es auch klingen mag – diese Hunde bewegt haben. In Europa begegnen mir die Geschöpfe nur noch mit Leine, immer in Begleitung eines Menschen, aber selten mit einem zweiten Hund. In Nepal tänzeln sie frei durch die Gegend, wedeln mit dem Schwanz und wirken auf mich so unglaublich friedlich. Kein einziges Mal fühlte ich mich bedroht oder in Angst versetzt. Vielleicht färbt hier doch etwas vom Buddhismus ab, der neben der größten Religion in Nepal, dem Hinduismus, immer noch eine bedeutende Rolle spielt. Dort wird auch Hunden eine Seele zugesprochen und der Glaube vertreten, dass religiöse Lehrer als Hunde wiedergeboren werden. Nach einer Überlieferung wurde Buddha von einer Schar kleiner Löwen bzw. löwenähnlicher Hunde begleitet. Drohte Gefahr, wuchsen sie zu ihrer wahren Größe heran, um ihren Herrn zu beschützen.

Zu guter Letzt geht ein besonderer Gruß an Lucky: Er war der Wachhund in unserer Unterkunft und ein echtes Familienmitglied. Die Nacht war oft begleitet von seinem Gebell, aber er hat seine Aufgabe als Wachhund eben besonders ernst genommen. Tagsüber lief er uns bereits von Weitem entgegen, wedelte mit seinem Schwanz und ließ sich aufgeregt streicheln. Und auch beim Erdbeben vom 5. Februar mit einer Stärke von 5,5, bei dem zum Glück wenig passierte und die meisten mit einem Schrecken davon kamen, war er ein wahrer Wachhund: Sekunden vor dem Beben spürte er die Gefahr und bellte wie verrückt. Lucky guy!

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